Rudolf Sallinger

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Rudolf Sallinger (* 3. September 1916 in Lassee, Niederösterreich; † 7. März 1992 in Wien) war ein österreichischer Politiker (ÖVP).

1996 von Hortensia Fussy gestaltetes Denkmal am Rudolf-Sallinger-Platz

Als gelernter Maurer und Steinmetzmeister führte Rudolf Sallinger ab 1943 den Steinmetzbetrieb seiner Frau mit etwa 50 Mitarbeitern in Wien-Margareten. Da er sich nicht ausreichend um den Betrieb kümmerte, wäre dieser pleitegegangen, wurde aber schließlich mithilfe von Hannes Androsch abgewickelt.[1][2] Als Student stellte Sallinger im April 1938 einen Antrag auf Aufnahme in die NSDAP, in dem er auf seine politischen Aktivitäten für die NSDAP in Form von Verteilung von Streuzetteln und einer Polizeistrafe 1933 verwies. Der Antrag wurde jedoch 1941 abgelehnt, da Sallingers Tätigkeit in der „Kampfzeit“ nicht „den Erfassungsvoraussetzungen entspricht“.[3]

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war er in verschiedenen Funktionen der Wirtschaftsvertretungen, wie in der Innung tätig. Ab 1953 war er Kurator des Wirtschaftsförderungsinstitutes in Wien. So wurde das WIFI Wien auf dem Grund des ehemaligen Rotschildspitals am Währinger Gürtel erbaut.[4]

Seine bekannteste Tätigkeit war als Präsident der Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft vom 14. Februar 1964 bis Dezember 1990, als er altersbedingt nicht mehr kandidierte. Er übernahm das Amt von dem kurz vorher verstorbenen Julius Raab. Unter ihm wurde das Netz der Auslandsvertretungen der österreichischen Wirtschaft weltweit aufgebaut.[4]

Außerdem war er von 1966 bis 1980 Obmann des Österreichischen Wirtschaftsbundes und Abgeordneter zum Nationalrat.

Ein Hauptanliegen war ihm immer ein Funktionieren der Sozialpartnerschaft, die er zeitgleich mit dem damaligen Gewerkschaftsbundpräsidenten Anton Benya als Gegenüber lebte, was ihm große Anerkennung einbrachte. Kritisch wurde sein Verhalten in der Auseinandersetzung um den Bau des Kraftwerks Hainburg betrachtet, für dessen Errichtung er sich wie Benya einsetzte.

Der in der ÖVP einflussreiche Sallinger gilt auch als Königsmacher von zuerst Erhard Busek und später von Wolfgang Schüssel.[5]

Wiener Zentralfriedhof – Ehrengrab von Rudolf Sallinger

Sallinger wurde neben Julius Raab und Leopold Figl in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 14 C, Nummer 21 B) beigesetzt.

Am 14. Mai 1992 wurde in Wien-Landstraße (3. Bezirk) der Ing.-Rudolf-Sallinger-Platz nach ihm benannt. Knapp zwei Jahre später wurde, auf Wunsch der Familie, der Titel aus dem Namen gestrichen, woraufhin der Platz seitdem als Rudolf-Sallinger-Platz bekannt ist. Im Jahr 1996 gestaltete die Bildhauerin Hortensia ein Denkmal von Rudolf Sallinger auf diesem Platz. Nach dem Verkauf des Gewerbehauses im Jahr 2019 wurde die Skulptur allerdings entfernt und verweilt seither im "Lager für historische Artefakte" der Wirtschaftskammer im 2. Bezirk. In Wien-Margareten wurde am 12. September 2000 ein Park nach ihm benannt; der ehemalige Hartmannpark (der Name war nicht amtlich) trägt seitdem den Namen Rudolf-Sallinger-Park.

Der nach ihm benannte Rudolf-Sallinger-Fonds vergibt jährlich den Rudolf-Sallinger-Preis.

Einzelnachweise

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  1. 06 11 2008 Um 13:46: Die Welt bis gestern: Baumeister und Steinmetz. 2. Dezember 2007, abgerufen am 2. Januar 2024.
  2. Die vielen Gesichter des Hannes Androsch: Risikokapitalist und Sozialist der alten Garde. 28. April 2007, abgerufen am 2. Januar 2024.
  3. Straßennamen Wiens seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“ (PDF; 4,2 MB), S. 245f, Forschungsprojektendbericht, Wien, Juli 2013
  4. a b Rudolf Sallinger. Mächtiger Sozialpartner und einflussreicher ÖVP-Königsmacher. Ein großer Mann von kleinem Wuchs mit weitem Herzen. in der Presse vom 30. November 2007, abgerufen am 4. November 2010
  5. Paul Lendvai: Mein Österreich, Seite 67 ISBN 978-3-902404-46-6